Bericht vom Jahrestreffen am 14.10.2017

Mitte Oktober war es wieder soweit: über 60 Erwachsene und etwa 50 Kinder füllten das Haus der Begegnung in Fuchstal-Asch mit Leben. Bei der fröhlichen Begrüßung aller Familien durch Isabella Nölte zeigte sich, dass auch dieses Jahr wieder einige Familien zum ersten Mal dazugestoßen waren.

 

Die Mitglieder der Selbsthilfegruppe treffen sich jährlich, um ihre Erfahrungen im Umgang mit Dysmelie, einer angeborenen Fehlbildung der Gliedmaßen, auszutauschen. Die betroffenen Teilnehmer wurden meist mit einem verkürzten Arm ohne Hand und Finger geboren.

 

Ein tolles Team zur Betreuung der Kinder sorgte dafür, dass die Kleinen beim Basteln und Spielen ihren Spaß hatten und den Erwachsenen Gelegenheit blieb, sich in den Gesprächskreisen auszutauschen.

 

Im Mittelpunkt des Vormittags standen dieses Jahr Informationen von Orthopädietechniker Wolfgang Gröpel von der Firma NovaVis zu Neuerungen in der Armprothetik und Veränderungen auf Seiten der Krankenkassen. Wolfgang Gröpel betreut mit seiner Firma zahlreiche von Dysmelie oder Amputation Betroffene. Mit anschaulichen Beispielen aus seinem Berufsalltag und zahlreichen Bildern zeigte er, wie wichtig eine frühzeitige Versorgung ist. Dabei stehen für ihn vor allem die Bedürfnisse der Betroffenen im Vordergrund. Ein Landwirt, der viel mit seinen Händen arbeitet, braucht eine völlig andere Prothese als ein junger Erwachsener. Gröpel betreut auch Betroffene im Ausland, deren Prothesen teilweise durch Spenden ermöglicht werden. Hier liegt das Augenmerk vor allem auf Langlebigkeit und geringer Störanfälligkeit. Gröpel zeigte auch, wie die prothetische Versorgung eines Kindes im Laufe seines Lebens immer neu angepasst wird. Kleine Kinder benötigen eine Prothese mit einem weichen Schaft, die sie gerne tragen und die ihnen hilft, eine symmetrische Körperbalance zu finden. Später folgen myoelektrische Prothesen, bei denen Muskelimpulse des Trägers aufgenommen und in eine einfache Bewegung (Öffnen und Schließen der Finger) umgewandelt wird. Wenn der Träger groß genug ist, wird eine bionische Prothesenlösung möglich. Hier werden Muskelimpulse in zahlreiche unterschiedliche Griffmuster umgewandelt, die es ermöglichen, etwa einen Messerschaft fest zu umschließen, eine Zeitung zu halten oder viele andere Handgriffe des Alltags annähernd so auszuführen, wie dies auch Zweihänder tun.

 

Wolfgang Gröpel informierte darüber, dass die Krankenkassen nach aktueller Gesetzeslage innerhalb von drei Wochen über den Antrag auf eine Prothetische Versorgung entscheiden müssen. Verstreicht diese Frist, gilt der Antrag als genehmigt. Dies führt dazu, dass mit der Bearbeitung überlastete Kassen erst einmal ohne nähere Prüfung ablehnen. Hier gibt er den dringenden Rat hartnäckig zu bleiben, denn nach einem Widerspruch des Antragstellers hat die Kasse nun ausreichend Zeit, den Fall zu prüfen und gibt häufig einen positiven Bescheid. Sollte immer noch abgelehnt werden, hilft auch die Beschreitung des Rechtswegs, da jeder Behinderte nach Gesetzeslage das Recht auf bestmögliche Versorgung hat.

 

Während seines Vortrags war es für alle Teilnehmer sehr beeindruckend, eine solche bionische Prothese im Einsatz zu sehen. Die sechzehnjährige Lea Guggenmos aus Leeder zeigte sie bereitwillig vor und gab über ihre Erfahrungen damit Auskunft.

 

Auch der Nachmittag war ausgefüllt: neben heiterem Spielen und Beisammensein gab es eine weitere Gesprächsrunde zum allgemeinen Austausch der Betroffenen. Vor allem neue Familien profitieren hier vom Erfahrungsaustausch der ‚alten Hasen‘ im Umgang mit dem Handicap.

Für Eltern oder Großeltern ist es ermutigend zu sehen, wie ältere Kinder oder Erwachsene mit ihrem Handicap klarkommen. Später werden die Begegnungen auch für die Kinder oder Jugendlichen selbst wichtig. Sie alle wissen, dass sie mit ihrem Handicap nicht allein sind. Doch andere zu sehen, mit ihnen in Kontakt zu treten und einfach einmal einer von Vielen mit dieser Behinderung zu sein, stärkt ihr Selbstbewusstsein. Deshalb sind Viele regelmäßig dabei und freuen sich schon aufs Treffen im nächsten Jahr.

 

Den Abschluss bildete wie immer eine Kaffee- und Kuchenrunde, bei der noch einmal Gelegenheit war, mit altbekannten und neuen Teilnehmern ins Gespräch zu kommen.

 

Mit ihrer Arbeit für die Selbsthilfegruppe leisten Alexandra Sommer-Mitterreiter und Isabella Nölte mit ihren Familien und vielen ehrenamtlichen Helfern eine wertvolle Arbeit. 

 

[Andrea Schönemann, Weidenstetten, Mitglied Hand-in-Hand]

 

 

 

 

Kontakt und Information:

  • Isabella Nölte, Tobias-Unfried-Str. 7a, 86899 Landsberg, Tel. 0 81 91/42 84 55
  • Alexandra Sommer-Mitterreiter, Stockänger 3, 86925 Fuchstal, Tel. 0 82 43/ 96 02 79

Email: handinhand.selbsthilfe@web.de

Internet: https://handinhandshg.wordpress.com/ 

 

 

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