Sogar klettern geht mit nur einer Hand

Isabella und Alex

Landsberger Tagblatt, Donnerstag, 17. Juni 2010


 

Sogar klettern geht mit nur einer Hand

 

Dysmelie-Kinder: Treffen in Asch

 

 

 

Über 100 Erwachsene und Kinder aus ganz Süddeutschland nahmen am diesjährigen Treffen der Gruppe „Hand in Hand“ im Ascher Haus der Begegnung teil. In der Selbsthilfe-einrichtung haben sich Menschen zusammengeschlossen, die selbst oder deren Angehörige von Dysmelie betroffen sind. Bei dieser „Laune der Natur“ kommen Kinder auf die Welt, denen aus noch ungeklärten Ursachen einer der Gliedmaßen oder Teile davon fehlen. Zumeist sind Arme und Hände betroffen.

 

 

 

Klettern

Ziel der Treffen ist es nicht nur, Informationen auszutauschen, sondern auch, in Gesprächen mit anderen Betroffenen zu erfahren, dass ein Leben mit diesem Handicap gut zu bewältigen ist. So ging es heuer um Dysmelie-Kinder in Kindergarten und Schule. Im Kindergarten habe es nur ganz wenig Probleme gegeben, waren sich die selbst betroffenen Erwachsenen und die Eltern der größeren Kinder überraschend einig. So kreiste das Gespräch dann vorrangig um andere Fragen. Wie reagiert man, wenn das Kind seine Behinderung entdeckt und etwa an seinem Geburtstag fragt: „Und wann wächst mir meine zweite Hand?“ Auch der Umgang mit den „Nicht-Behinderten“ und ihren oft aufdringlichen Blicken wurde angesprochen. Ich interpretiere das ganz einfach als „Interesse meiner Mitmenschen an mir“, erzählte eine junge Frau, der ein Arm fehlt und die nach ihrer Tätigkeit als Erzieherin nun Sonderpädagogik studiert. Eine wichtige Rolle, um mit dem Handicap umzugehen, spielt das Selbstwertgefühl, hieß es von mehreren Teilnehmern der sehr offen geführten Gesprächsrunde. Dies zu vermitteln sei eine wichtige, aber auch schwierige Aufgabe der Eltern. „Wer mit einem besonderen Körper geboren ist, braucht zuerst tolle Eltern“, meinte deshalb Isabella Nölte. Die vierfache Mutter von gesunden Kindern aus Landsberg, der von Geburt an ein Arm fehlt, organisiert zusammen mit Alexandra Sommer aus Asch die Treffen. Deren von Dysmelie betroffener Sohn kann auch mit nur einer Hand Trompete spielen und die Tastenkombination „Strg+ Alt+ Entf“ am Computer erzeugen, war auf einem der Aushänge zu lesen. 

 

 

 

Ein besonderes Erlebnis bedeutete am Nachmittag der Ausflug in die Fuchstalhalle. Dort bestand die Möglichkeit, unter fachkundiger Anleitung und Sicherung die Kletterwand zu erklimmen. „Unsere Einhänder zuerst“, gab Alexandra Sommer angesichts des großen Interesses an dem Ausflug in die Höhe aus. Und diese Dysmelie-Kinder bewältigten trotz ihres Handicaps mit ausgeprägtem Ehrgeiz diese Aufgabe überraschend gut und konnten damit wieder ein „Stückehen Selbstvertrauen tanken“. (hoe)

 

 

 

Infos über Dysmelie und die Selbsthilfegruppe gibt es im Internet unter der Adresse

 

www.hand-in-hand-shg.org

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