„Hand in Hand“ – wieder Mut finden

Isabella und Alexandra

Landsberger Tagblatt vom 29.05.2006

 

Selbsthilfegruppe für Dysmelie-Betroffene trifft sich in Asch

Von Andreas Hoehne

 

Asch: Der Erfahrungsaustausch ist uns am wichtigsten“. Darin sind sich die etwa 80 Teilnehmer des Treffens der Vereinigung „Hand in Hand“ im Ascher „Haus der Begegnung“ einig. Die Selbsthilfegruppe für die von Dys-melie Betroffenen und ihre Angehörigen besteht seit über acht Jahren und wird seit einiger Zeit von Isabella Nölte aus Landsberg und Alexandra Sommer aus Leeder geleitet.

 

Die Betroffenen sind Menschen, die aus noch nicht geklärten Ursachen mit fehlenden Gliedmaßen auf die .Welt kommen. Zumeist müssen sie auf den Teil eines Armes verzichten, wie etwa Isabella Nölte selbst oder der siebenjährige Tobias, Sohn von Alexandra Sommer.

 

Mut machen will man bei den jährlichen Treffen vor allem den Eltern kleiner Kinder, die sich Gedanken um deren Zukunft machen. So ist dieses Mal in Asch der 37-jährige Roland Dietrich aus Landsberg mit dabei, dessen linker Arm verkürzt ist und dem an beiden Händen je ein Finger fehlt. Er sei begeisterter Sportler, spiele Zither und arbeite als Diplom-Ingenieur, berichtet der zweifache Familienvater und dann auch über seinen Umgang mit der Behinderung in der Kindheit und Jugend. Wie kommen die Geschwister mit der veränderten Situation in der Familie klar, war eine Leitfrage bei dem Seminar im Haus der Begegnung. So äußerten sich die Zwillingsschwester und der ältere Bruder von Roland Dietrich zu diesem Thema. Isabella Nölte, die in einem Referat mit dem Titel „Meine Schwester ist behindert“ auch theoretische Grundlagen vermittelte, ließ ebenfalls ihre Familie zu Wort kommen.

 

Durch die überaus offene und mutige Darstellung angeregt brachten zahlreiche Teilnehmer ihre ebenso ganz persönlichen Gefühle zum Ausdruck, v/ie etwa im Umgang mit „Glotzern“ oder offensichtlich nur wenig informierten „Fachleuten“. Aufklärung ist deshalb ein Schwerpunkt der Arbeit von „Hand in Hand“. So wurden Informationen über Dysmelie und die Selbst-hilfegruppe an 300 Krankenhäuser und Entbindungsstationen versandt, um betroffenen Eltern die Kontakte zu eröffnen.

 

Sechs Familien habe man im letzten Jahr neu erreicht, berichten die beiden Organisatorinnen stolz. Ermöglicht werden die Öffentlichkeitsarbeit und das Ausrichten der Treffen unter anderem auch durch zwei namhafte Spenden von den Veranstaltern des Hurlacher Hobbymarktes und der „Buchloer Serenaden“, die man in der jüngeren Vergangenheit erhielt.

 

Zudem stellte die Ascher Kirchenstiftung das Tagungshaus wie schon im Vorjahr unentgeltlich zur Verfügung. Aus ganz Südbayern kamen übrigens die 20 Familien zu dem Seminar im Fuchstal und stellten damit dessen Stellenwert unter Beweis. Dort informierte die Finninger Psychotherapeutin Hedy Leitner-Diehl dann über das „systemische Arbeiten mit Familien“. Beratend mit dabei war ebenfalls der Orthopädietechniker Wolfgang Gröpel, Spezialist für die durch Muskelimpulse gesteuerten „myolektrischen“ Prothesen.

 

Für die Kinder war ein Programm mit einer „Hand-in-Hand-Rallye“ vorbereitet. Umfangreiche Informationen über Dysmelie und die Selbsthilfegruppe selbst kann man seit kurzem im Internet unter der Adresse „www.hand-in-hand-shg.de“ nachlesen.

 

Spiel bei der Eroeffnung

Mit einem Spiel wurde das Treffen der Betroffenen und ihrer Angehörigen eröffnet.

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